Was ist ein Passivhaus?
Grundsätzlich hat man der Definition des Passivhauses
den jährlichen Heizenergiebedarf pro Quadratmeter
Wohnfläche zu Grunde gelegt. Dieser ist auf 15 kWh
begrenzt, was bedeutet, daß ein Haus mit 120 qm
Wohnfläche ca. 180 Liter Öl für die Heizung
verbrauchen darf (zuzüglich Warmwasserbereitung).
Ein konventionelles Niedrigenergiehaus benötigt
im Vergleich hierzu ca.750 l Heizöl, ein Haus aus
den 60er Jahren ca. 2000 l.
Was ist das Besondere am Passivhaus?
Das Wesentliche am Passivhaus ist nicht die quantitative
Energieeinsparung sondern das qualitative Konzept welches
dieser Einsparung zu Grunde liegt. Eine kontrollierte
Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
wird gleichzeitig als Heizanlage mit verwendet, indem
die bereits vorgewärmte Zuluft (Rückgewinnung
der Abluftwärme) entsprechend nachgeheizt wird.
Dies erfolgt optimal geregelt ohne Geräuschbildung,
Zugerscheinungen oder Geruchsbildung. Wenn nun die Gebäudehülle
so gut gedämmt ist, daß eine sehr geringe
Heizenergie ausreicht, um gemäß den technischen
Regeln zu jeder Zeit eine ausreichende Innentemperatur
zu gewährleisten, ist der Schritt zum Passivhaus
vollzogen.
Auf die konventionelle Heizanlage kann verzichtet werden,
die Einsparung wird in eine hochwertige Gebäudehülle
(Wände und Dach k-Wert 0,10 - 0,15; Fenster Dreifachglas
k-Wert 0,7; Vermeidung von Wärmebrücken und
Undichtigkeiten) investiert. Auf diese Weise werden optimale
Energieeinsparung, höchster Wohnkomfort und langfristige
Sicherung der Bausubstanz bei minimalen Mehrkosten miteinander
verbunden. Die Stimmigkeit und Konsequenz dieses Gesamtkonzeptes
sowie die Optimierung des Kosten-Nutzen Verhältnisses
gegenüber dem Niedrigenergiehaus macht die eigentliche
Qualität des Passivhauses aus.
Ist ein Passivhaus ein Null-Energie-Haus?
Zunächst einmal ist der Begriff "Passiv"-Haus
etwas irreführend. Ein Passivhaus benötigt
- ebenso wie andere Häuser - Energie, damit in den
Wintermonaten ein behagliches Innenraumklima gewährleistet
ist. Nur eben viel weniger. Für die Warmwasserbereitung
wird die selbe Energiemenge wie bei konventionellen Häusern
verbraucht.
Hat ein Passivhaus eine Heizung?
Zur Verteilung der Heizwärme ist ein Passivhaus
mit einer Heizung ausgestattet. Diese benutzt als Medium
zum Energietransport Luft anstelle von Wasser in konventionellen
Heizanlagen.
Fühlt man sich in einem luftdichten Gebäude
wohl?
Grundsätzlich sollte jedes Gebäude luftdicht
ausgeführt werden, da es ansonsten zu Bauschäden
(Kondenswasser, Schimmelbildung, Zugerscheinung) kommt.
Der Luftaustausch muß bei konventionellen Gebäuden
kontrolliert durch Fensterlüftung erfolgen. Diese
ist insbesondere in den Wintermonaten oft unangenehm
und wird daher vernachlässigt, was wiederum Feuchteschäden
zur Folge hat. Hier leistet eine kontrollierte Raumlüftung
mit temperierter Zuluft einen wichtigen Beitrag zu Komfort
und Erhalt der Bausubstanz. Auch bei dem oft angeführten "Atmen" von
Außenwänden handelt es sich um einen Trugschluß.
Gemeint ist hier die Dampfdiffusion (Ausgleich der Luftfeuchtigkeit),
welche jedoch nur zu etwa 5% durch die Außenwände
erfolgt, der überwiegende Teil der Raumluftfeuchte
muß ebenfalls durch Lüftung abgeführt
werden. Auch hier kommen die Vorteile einer kontrollierten
Lüftungsanlage zum tragen.
Kann man in einem Passivhaus die Fenster öffnen?
Selbstverständlich ist es kein Problem, bei einem
Passivhaus durch die Fenster zu lüften, der Vorteil
liegt darin, daß man es nicht muß! Dies bedeutet
ein hohes Maß an Wohnkomfort und beste Luftqualität
ohne Zugerscheinung und Kälteschleier.
Muß man in einem Haus ohne konventionelle
Heizung frieren?
Die Luftheizung in einem Passivhaus ist ebenso wie eine
konventionelle Heizung in einem Niedrigenergiehaus nach
den Regeln der Technik ausgelegt und dimensioniert. Hierdurch
ist die volle Leistungsfähigkeit natürlich
auch bei extremer Kälte garantiert. Durch den geringen
Energiebedarf könnte ein ganzes Einfamilienhaus
mit einem kleinen Elektroheizlüfter erwärmt
werden. Die Gefahr, zu frieren ist wohl nirgends so gering
wie im Passivhaus.